EMK Pliezhausen

Osterweg 2021

Ostern 2021

Der Osterweg der AcK in Pliezhausen

Schon immer mal wieder haben ein paar Leute unserer Gemeinde überlegt, bei uns im Kirchengarten einen Osterweg aufzubauen. Dieses Jahr wurde der Osterweg realisiert und zwar in ganz Pliezhausen, gemeinsam geplant und gestaltet durch die vier Kirchen in unserem Ort. Acht Stationen wurden aufgebaut, um die Passionszeit nachzuerleben, nachzuspüren, darüber ins Nachdenken zu kommen. Parallel zu den meditativen Impulsen für Erwachsene gab es für die Kinder den Weg mit Schaf Mecki, das aus seiner Perspektive die Passions- und Ostergeschichte erzählt hat. Das Hörspiel von Mecki war zudem durch Bilder von Kindern aus den Kindergärten untermalt. Schon beim Begehen des Osterwegs war ich fasziniert von all den Ideen und Gedanken, die in diesem Weg steckten. Im Nachdenken über die Stationen wurde ich nochmals hineingenommen in die Geschichte und die weiterführenden Gedanken dazu. Gerne erlebe ich mit euch den Stationenweg nochmals im Rückblick:

1. Station: Palmsonntag

Der rote Teppich war auf dem Marktplatz aufgerollt. Die jubelnde Menge war dargestellt und jede und jeder Betrachter konnte sich einreihen in die Zuschauerränge.

  • Begeisterung, Erwartungen, Hoffnungen, ... die Faszination für den Messias, der auf dem Esel in Jerusalem einritt, kam zum Ausdruck.
  • Welche Erwartungen und Hoffnungen hatten die Hosianna rufenden Menschen?
  • Welche Hoffnung und welche Anliegen haben wir heute?

 

2. Station: Abendmahl

In der evangelischen Martinskirche war ein großer Tisch aufgebaut; reich geschmückt und dekoriert. Hier gesellten sich Jünger aber auch andere markante und weniger bekannte Personen der Bibel. All die Charaktere mit ihren ganz verschiedenen Eigenheiten und Geschichten fanden und finden am Tisch Platz. Einige davon sollen hier genannt werden. Jesus feiert Gemeinschaft mit Petrus, dem treuen Freund Jesu, der Vertrauen lernt, aber auch Schwäche zeigt, weil sich nicht zu Jesus bekennen kann. Er wird aus seinen Erfahrungen stark und zum „Fels“ der Kirche. Maria ist dabei. Die Freundin und treue Begleiterin aus Magdala. Abraham findet Platz. Abraham als Urvater des Volkes Israels und Inbegriff des Vertrauens zu Gott. Auch Sara hat einen Platz an diesem Tisch. Sara als Urmutter Isreals. Sara, die lange einen unerfüllten Kinderwunsch hatte und über die Prophezeihung lachte, im Alter noch Nachwuchs zu bekommen. Sara, die Eifersüchtige, die Hagar als Ersatz zur Sicherung von Nachkommen vorschlägt und dann über diesen Vorschlag unglücklich wird und die Eifersucht sie fast zerreißt. Hagar sitzt ganz in der Nähe. Die Magd, die ausgenutzt wurde, verstoßen und in ein fremdes Land geschickt. Jakob und Esau finden Platz. Die ungleichen Brüder. Der eine treu und bodenständig, der andere unbeholfen und gewitzt. Durch einen Betrug erschleicht er sich das Erbe… Neben noch weiteren biblischen Personen gibt es noch einen freien Platz am Tisch. Jede und jeder ist in dieser Gemeinschaft mit Jesus willkommen und kann sich einreihen. Und zwar mit der individuellen Vorgeschichte und all den Päckchen, die er/sie mitbringt.

 

3. Station: Fußwaschung

Durch Jesu Fußwaschung wird seine Gastfreundschaft nochmals unterstrichen. Als Geste wurde ein solches Ritual früher einem Gast angeboten. Das verwunderliche dabei ist: Jesus selbst wäscht seinen Jüngern die Füße.

Befreit vom Staub, Wohltat, Ruhe, Entspannung Jesus tut wohl, eine Wohltat für meine Füße für meine Wegstrecke, für mich als ganzer Mensch! Jesus gibt sich hin Gebeugt, demütig Begegnet als Mensch, stiftet Gemeinschaft, innige Zuwendung.

Bereitschaft. Meine Bereitschaft ist gefragt – Bin ich bereit, meine Füße waschen zu lassen? Meinen Staub hinter mir zu lassen? Ich werde befreit – Befreit von Ballast Befreit von Vergangenheit Befreit, selbst Gutes zu tun. Befreit und bereit, die Not im Leben unseres Mitchristen zu sehen und ihm darin beizustehen.

 

4. Station: Garten Gethsemane

Die menschlichen Urerfahrungen von unverschuldetem Leid haben in der Passionsgeschichte Jesu eine Sprache gefunden. Im Garten Gethsemane erlebt Jesus die Macht der Finsternis - ein Bild für die tiefste Erschütterung, der ein Mensch ausgesetzt sein kann. Jesus merkt, es gibt kein Entrinnen aus der Situation. Eigentlich benötigt er Beistand, Freunde, die für ihn wachen und beten. Doch er macht die Erfahrung, dass Freunde an ihre Grenzen kommen. Für sie ist die Situation zu groß, zu schwer. Ohnmächtig fliehen sie in den Schlaf. Jesus ringt, die Unruhe treibt ihn, er betet und hat eine Begegnung mit einem Engel. Gottes Nähe wird spürbar auf eine unbegreifliche Weise. Dem Unbekannten und Unbegreiflichen kann sich dann Jesus hingeben. – Dein Wille….. Ob und wie es weitergehen mag, Jesus legt es Gott hin. Eine innere Freiheit trotz der Gefangennahme, die anschließend erfolgt.

Stationen 5 und 6: Jesus wird verurteilt und gekreuzigt

Jesus wird zum Tode verurteilt wie ein Verbrecher. Sehr eindrücklich wurde Jesu Verurteilung und der Tatbestand der Todesstrafe am Schillerplatz dargestellt Die Todesstrafe ist die Tötung eines Menschen als Rechtsfolge für einen in einem Gesetz definierten bestimmten Tatbestand, dessen er für schuldig befunden wurde. Ihr geht in der Regel ein Todesurteil nach einem Gerichtsverfahren voraus, das mit der Hinrichtung des Verurteilten vollstreckt wird. Die Todesstrafe war im römischen Reich eine gängige Praxis. Sie war gekoppelt mit verschiedenen zusätzlichen folternden Strafmaßnahmen Jesus stand vor Pilatus. Schlussendlich entschied im Fall von Jesus das Volk, ob wer die Todesstrafe verbüßen musste. Die Entscheidung der Masse, Konsequenz von Hetze und Mitläufertum. Aufruhr durch anderes Denken, Neid, Missgunst, Konfrontation durch ein anderes Gottesbild – all dies und andere Gründe führten zur Verurteilung.

Verurteilung –

Mein Urteil gegenüber anderen –

Welche lebensverhindernden Auswirkungen haben diese?

Durch verschiedene Fragestellungen wurde der Betrachter immer wieder damit konfrontiert.

An der neuapostolischen Kirche gab es ein großes gezimmertes Kreuz. Um nachzuempfinden, wie es für Jesus war, das Kreuz zu tragen, konnte dies praktisch erprobt werden. Besonders eindrücklich sprang der Satz ins Auge: Nicht die Nägel hielten Jesus am Kreuz, sondern die Liebe. Die Liebe zu Gott und den Menschen, die Überzeugung vom Richtigen und Guten, die Mitmenschlichkeit und bedingungslose Hingabe sind letztendlich der Grund für die Kreuzigung. Jesus geht den Weg, den Liebesweg Gottes, konsequent bis zum Schluss. Zu Lebzeiten setzte Jesus Zeichen der konsequenten Menschenliebe und Vergebungsbereitschaft Gottes so auch am Ende seines Lebens. Als Symbol konnten kleine Holzherzchen und Hoffnungslichter mitgenommen werden. Schließlich gab es die Möglichkeit, ans Kreuz zu bringen, was belastet und Not macht: Kleine Holzkreuze konnten beschriftet und ans Kreuz angebracht werden. Es war bewegend, die Botschaften zu lesen und in Gedanken mitzunehmen. Gebetsanliegen mitzunehmen, mitzutragen, dafür zu beten. So können auch wir gegenseitig Lasten tragen.

 

Station 7: Golgatha

Am Fuße des Berges am Zweieichenturm waren drei Kreuze aufgestellt. Am Fuße des mittleren Kreuzes befanden sich Würfel, ein Schwamm und eine Schüssel mit Essig. Auf der Basis der Informationen der vorangegangenen Stationen konnte man hier eindrücklich sehen, welche Qualen und Schmerzen mit dem Kreuzestod einher gingen. Was bleibt? Die Trauernden bleiben alleine zurück. Es ist aus. Das, was sich angebahnt hatte, ist nun unausweichlich geschehen. Die Jesusära, die Botschaft der Liebe Gottes – Aus? Trauer, Einsamkeit, Fassungslosigkeit und Ohnmacht machten sich breit. Als letzte Ehrerweisung wurde Jesu Leichnam in Tücher gewickelt und in ein Felsengrab gelegt.

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Station 8: Ostern

Wie die Frauen am frühen Morgen zum Grab Jesu gelaufen sind, um ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen, so konnten die Besucher des Osterwegs an der katholischen Kirche das Grab begehen. Der Fels war weg. Der Leichnam auch. Nur noch ein Hemdchen lag auf der Felsplatte. Doch ein Engel befreite aus der Schockstarre und verkündete: „Ihr findet Jesus hier nicht. Jesus ist nicht bei den Toten zu suchen. Er lebt, er ist mitten im Leben.“

Seine Worte erreichen die beiden Frauen, die Worte erreichen uns. Es keimt Hoffnung in all der Niedergeschlagenheit. Der Engel sendet die Frauen. Sie werden nun selbst zu Engeln der Auferstehung. Sie verkündigen den Jüngern, die frohe Botschaft von der Auferweckung Jesu.

Nachdenklich, freudig, belebt,… konnte dann der Heimweg angetreten werden; mit der frohen Botschaft der Auferstehung und des Lebens!

 

Gedanken zu Engelsbegegnungen

In der Ostergeschichte kommen zwei Mal Engel vor. Sie bekamen für mich beim Osterweg eine besondere Bedeutung. Der erste Engel erschien im Garten Gethsemane. Im verzweifelten Ringen, im einsamen Hadern und all der Verletzlichkeit erschien Jesus ein Engel. Es eröffnet sich noch nicht Dagewesenes. Gott ist nahe und mutet sich zu auf eine unerklärliche Weise. Engel sind Geburtshelfer eines neuen Gottesbewusstseins. Sie trösten und helfen, sich dem Unbekannten, Unbegreiflichen in die Arme zu werfen. "Dein Wille geschehe" ist keine Bankrotterklärung an eine allmächtige Instanz, deren Willen ich nicht entfliehen kann. Dein Wille geschehe meint, „dir vertraue ich, ich kann mich hingeben und gelassen sein, denn du umgibst mich, was auch immer geschieht.“ Ich glaube, dass Engel uns helfen, so zu beten und wir damit zu dieser Freiheit und Gelassenheit gelangen, die uns hilft, Wege zu gehen. Der zweite Engel erscheint am Grab und verkündet die zentrale Botschaft der Christenheit: Jesus lebt. Der Engel begegnet am scheinbaren Ende einer Geschichte und trifft auf tiefe Trauer, Verzweiflung und Ohnmacht. Dieser Engel verkündet die Fortsetzung der Geschichte, die Fortsetzung der Gottesbeziehung, die Botschaft des Lebens: Es geht weiter, das Leben siegt!! Und so werden die Frauen am Grab selbst zu Botschafterinnen, zu Engeln, die Hoffnung verkünden.

Wirst du für mich – werd ich für dich ein Engel sein?“
So endet ein Gedicht von Lothar Zanetti. Wir brauchen immer wieder Engel, die uns unser Leben deuten. Im Gespräch mit einer Freundin oder einem Freund geht uns auf einmal auf, dass unsere bisherige Betrachtungsweise eine andere Perspektive braucht. Oder wir hören eine Predigt und auf einmal wir uns klar, was unsere momentane Situatuation bedeutet. Wir gehen anders nach Hause. Wir erleben eine Beerdigung. Voller Trauer gehen wir wie die Frauen zum Grab. Da erfahren wir in der Ansprache oder in den Gebeten Trost und Dankbarkeit für Erinnerungen und Erlebtes. Oder wir sind gescheitert und klagen einer Freundin das Zerbrechen unseres Lebenskonzeptes. Aber nach dem Gespräch spüren wir, dass wir dennoch getragen sind.
All die Menschen, die uns uns mit Interesse begegnen, die unser Schicksal deuten, die uns Mut machen zu eigenem Leben, die uns an unsere Möglichkeiten zu glauben helfen, erfahren wir als Engel. Oft genug erleben wir sie als Engel der Auferstehung, die uns neues Vertrauen schenken.

Danke für alle, die mir in meinem Leben als Engel begegnet sind!

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